Gedanken zum Job

Ich habe mittlerweile eine Handvoll Berufe erlernt. Davon sind genau zwei tatsächlich als Beruf in Deutschland geschützt, Groß- und Außenhandelskauffrau (Ausbildungsberuf nach Berufsbildungsgesetz) und Heilpraktikerin (Heilpraktikergesetz §1, Abs.3). Tierheilpraktikerin, Tierphysiotherapeutin und Hundetrainerin sind keine geschützten Berufe. Es gibt keine festgelegte, staatlich anerkannte Ausbildung und auch keine einheitliche Prüfung. Seit 2014 schreibt mir zumindest das Tierschutzgesetz vor, daß ich als gewerblich arbeitende Hundetrainerin die Erlaubnis der zuständigen Behörde brauche.

Trotz der bislang fehlenden staatlich anerkannten Ausbildung und Prüfungsregelung für Tiertherapeuten und im Gegensatz zu leider immer wieder verbreiteten Gerüchten darf ich als Tiertherapeutin und Hundetrainerin nicht einfach tun, was ich möchte. Die Berufsausübung unterliegt zahlreichen Vorschriften und Gesetzen. Als Beispiele seien das Arzneimittelgesetz, Heilmittelwerbegesetz, Tierschutzgesetz, Tierseuchengesetz oder das Infektionsschutzgesetz genannt.

 

Es gibt Diagnostikmöglichkeiten, die nur von Ärzten durchgeführt werden dürfen, wie zum Beispiel das Röntgen. Nutztiere dürfen wir nur unter ganz bestimmten Bedingungen behandeln. Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen wir weder anwenden noch weiter geben. Eine Apotheke wie sie die Tierärzte führen, ist uns nicht erlaubt. Setzen wir Medizinprodukte ein wie in meiner Praxis der Laser oder die Horizontaltherapie, so müssen diese Geräte in einem regelmäßigen Turnus gewartet werden. Dies müssen wir entsprechend dokumentieren.

 

Unsere Berufsausübung müssen wir zudem der für uns zuständigen Aufsichtsbehörde, in meinem Fall also dem Veterinäramt in Husum, melden. Und ganz nebenbei hält auch das Finanzamt ein Auge auf uns, denn sobald ein Gewerbe angemeldet ist, wird das Finanzamt darüber informiert und teilt eine Steuernummer zu, die auf unseren Rechnungen wie auch im Impressum einer Webseite genannt werden muß.

 

Grundsätzlich kann sich jedoch jeder als Tiertherapeut oder Trainer bezeichnen und tätig sein und im Gegensatz zu den Tierärzten gibt es für uns keine verpflichtende Gebührenordnung. Für Dich als Tierbesitzer ist es dadurch schwierig, zu erkennen, ob jemand qualifiziert und verantwortungsvoll arbeitet. Einige Punkte geben Auskunft darüber, ob ein Therapeut seine Verantwortung Dir und Deinem Tier gegenüber ernst nimmt. 

Das Wichtigste ist zuallererst Dein Bauchgefühl und die Reaktion Deines Tieres! Wenn Du Dich nicht wohl fühlst oder unsicher mit einer von mir vorgeschlagenen Behandlung oder Vorgehensweise bist, sprich mich an. Ganz ehrlich: ich freue mich darüber, wenn Du mir die Chance gibst, Dir zu erklären, was ich weshalb tue.

Mir ist es wichtig, daß Dein Tier sich bei mir wohl fühlt. Also lege ich großen Wert darauf, es nicht zu bedrängen oder zu etwas zu zwingen. Wenn Dein Tier mir mitteilt, daß es nicht oder nicht überall angefaßt werden möchte, werde ich für die Therapie vorrangig daran arbeiten, Vertrauen aufzubauen. Die beste physiotherapeutische Behandlung und das beste theoretische Trainerwissen nützen nichts, wenn man bei einem Tier gegen Abwehr oder gar Angst arbeitet.

Im Training nehme ich mich größtenteils zurück. Hier geht es nicht darum, daß ich mit Deinem Hund zurecht komme, sondern daß ich Dir Wege zeige, wie Du zum Ziel kommst. Du darfst also nicht glauben, daß ich Deinen Hund blöd finde, nur weil ich ihn möglicherweise kaum anschaue oder anfasse. Das hat immer seinen Grund und meist hat mich Dein Hund darum gebeten, Abstand zu halten.

Wie erkennst Du nun aber, ob jemand als Therapeut und/oder Trainer für Dich in Frage kommt?

 

Ein guter Therapeut

  • hat entweder eine gründliche Ausbildung über mindestens 2 Jahre an einer der vielen Schulen absolviert oder hat sich sein Wissen über diverse Fachfortbildungen angeeignet. Auf jeden Fall bekommst Du gerne Auskunft über Art und Umfang der Ausbildung

  • eine Verbandsmitgliedschaft kann, da mitunter eine Aufnahmeprüfung notwendig ist, auf weitere Qualifikation hinweisen. Allerdings gibt es auch Verbände, die den Schulen angehören und Absolventen automatisch als Mitglieder aufnehmen. Ich selbst bin "frei fliegend" - ich habe viele Jahre in Vereinen zugebracht und habe "meinen" Verband bisher noch nicht gefunden

  • besucht regelmäßig Fortbildungen

  • ist beim Veterinäramt als zuständiger Aufsichtsbehörde und beim Finanzamt als Selbständiger gemeldet

  • informiert Dich im Vorfeld zumindest grob über die entstehenden Kosten. Es läßt sich oft nicht genau sagen, wie viele Behandlungs- oder Trainingstermine notwendig sind und danach richten sich dann auch die Kosten.

  • stellt eine korrekte Rechnung oder Quittung aus und überläßt Dir auf Wunsch ein Exemplar davon. Für die ordnungsgemäße Buchhaltung muß ohnehin ein Zahlungsbeleg angefertigt werden

  • nimmt sich Zeit, verbreitet keine Hektik, beantwortet Deine Fragen und setzt Dich nicht unter Druck, eine Entscheidung zu treffen

  • ist einfühlsam, achtet und reagiert auf Reaktionen des Tieres und nimmt diese ernst. Es ist kein Zeichen guter Arbeit, wenn man regelmäßig gebissen oder getreten wird

  • führt vor Beginn einer Behandlung eine ausführliche Anamnese durch und bezieht vorhandene Berichte anderer Therapeuten oder Tierärzte mit ein

  • erklärt vorab, was er am Tier ausführen und damit erreichen möchte 

  • bezieht Dich soweit möglich und von Dir gewünscht in die Behandlung mit ein

  • erstellt einen Behandlungsplan und erläutert Dir die weiteren Schritte

  • wenn im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung Hausaufgaben gegeben werden, zeigt der Therapeut Dir genau, was Du wie tun sollst 

  • kennt seine Grenzen und verweist Dich gegebenenfalls an einen spezialisierten Kollegen oder Tierarzt

  • redet nicht schlecht über Kollegen

 

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